kommandeursburg_logo
Kommandeursburg Kerpen Blatzheim

Die Geschichte der Burg

Entstehung:

 

Die heutige Kommandeursburg wurde im Jahre 1602 am Ortseingang von Blatzheim vom Deutschen Ritterorden als Landsitz des Komturs des Kölner Deutschordenshauses  -Kommende Jungenbiesen- erbaut.

Als Erbauer der Burg gilt der Deutschordensritter Heinrich von Reuschenberg, dessen Grabmal (+ 30.März.1603) sich in der Kölner Karmeliterkirche befand und heute im Historischen Museum der Stadt Köln zu sehen ist. Eine alte Ansicht der Burg, die im wesentlichen mit der heutigen Gestalt übereinstimmt, findet sich als Eckbild auf einer Flurkarte des 17.Jahrhunderts. "Teutschen ordensburgh" lautet die Schrift in der Abbildung.

 

Aus einem Kaufbrief aus dem Archiv des Kölner Deutschordenshauses Jungenbiesen erfahren wir, daß Friedrich von der Marck zu Villigst, Drost zu Schwerdt und Westhoven am 26. Februar 1594

"unsere Adliche Hauß und Hoff zu Blatzheim im Churfürstentum Collen und Amp Lechenich gelegen mitt allen seinen Gehoechten, Weyeren, Bungarden, Bempden,Wiesen,Artlanden und Buschen" dem Landkomtur (Kommandeur, daher der Name der Burg) Heinrich von Reuschenberg der Ballei Altenbiesen verkauft hat.

 

Im Jahre 1602, also acht Jahre später, war der vollständige Neubau fertiggestellt. Dies gibt die Inschrift im Wappen über dem Eingangstor auch richtig wieder. Damals entstand also unter Heinrich von Reuschenberg die sogenannte Kommandeursburg, die wir heute noch so vor uns sehen.

Heinrich von Reuschenberg hatte die letzte Kommende des deutschen Ritterordens "Jungenbiesen" im Rheinland in Köln neben dem Karmeliterkloster gegründet. Das Wort "Kommende" bezeichnete eine Verwaltungseinheit, in der wirtschaftliche und vor allem landwirtschaftliche, wehrtechnische, spirituelle und hospitalitäre Aufgaben zusammengefasst waren. Der Komtur der Kommende hat sich zeitweise, zumeist im Sommer auf dem Landsitz in Blatzheim aufgehalten, Der letzte Komtur von Jungenbiesen war Graf Joseph von Schaesberg, der 1794 die Kommende Köln erhalten hatte.

 

Als die französischen Revolutionsheere 1794-1802 die linke Rheinseite in Besitz nahmen, musste Joseph von Schaesberg Köln verlassen und zog sich ganz auf die Kommandeursburg in Blatzheim zurück. Hier starb er 1812. Er war der letzte Deutschordensritter in Blatzheim.

Durch ein Edikt Napoleons wurden die geistlichen Besitze der linken Rheinseite 1802 säkularisiert. Im diesem Zuge ist der deutsche Ritterorden 1809 von Napoleon aufgehoben worden und so gelangte die Kommandeursburg als Dotation Napoleons, der übrigens auch in der Burg nächtigte, an den französischen General George Mouton, der sie später als Privatbesitz weiterverkaufte.

 

Seit dieser Zeit diente die Kommandeursburg bis in die Sechziger Jahre des Zwanzigsten Jahrhundert überwiegend landwirtschaftlichen Zwecken. Rund 400 Jahre nach Erbauung wurden zum Beginn des neuen Jahrtausends umfangreiche Restaurierungsmassnahmen durchgeführt. Neben dem hervorragend erhaltenen Mauerwerk und orginalen Decken- und Dachbalken wurden alle Renovierungen mit orginalen, alten Baumaterialien vorgenommen. Mit liebevollen Details ergänzt dies den eigentlichen Charme der heutigen Kommandeursburg. Neben Wohnzwecken wird die Burg nunmehr auch für Feierlichkeiten und gewerbliche Veranstaltungen genutzt. 

 

 


Bei dem Geschlecht von Reuschenberg handelt es sich um die bedeutendste Adelsfamilie des Jülicher Landes. Seit Anfang des 15. Jahrhunderts gewannen die Reuschenbergs durch eine weitreichende Verzweigung an Bedeutung.

An hervorragender Stelle ist zu nennen: Heinrich von Reuschenberg; er wurde 1528 als Sohn von Edmund von Reuschenberg und Phillipine von Nesselrode auf der Burg Setterich geboren. Am 9. November 1547 erfolgte seine Aufnahme in den Deutschen Orden; er machte dort eine glänzende Karriere. In den ersten Jahren war er Kellermeister in der Kommende Neuenbiesen in Maastricht. Ab 1550 bekam er die Aufsicht über die rheinischen Güter der Ballei Aldenbiesen.1551 wird er Komtur der Kommende Ramersdorf bei Bonn. Von 1566 bis 1567 war er Komtur der Kommende Sankt Gilles (Ägidius) in Aachen. Ab 1566 wird er Stellvertreter des Aldenbiesener Landkomturs Johann von Goer und vollendet die im Bau befindliche Landkommende Aldenbiesen. 

Im Jahre 1572 wird er schließlich Landkomtur in Aldenbiesen. Im Jahre 1594 erbaut Heinrich von Reuschenberg, der auch Baumeister im Deutschen Orden war, die Kommandeursburg in Blatzheim als Landsitz des Komturs der Kölner Kommende Jungenbiesen, wo er dann schließlich am 30. März 1603 im Alter von 75 Jahren verstirbt.


 

Baubeschreibung:

 

Geschlossene Viereckanlage aus Backstein, umgeben von einem Wassergraben, etwa 50 x 50 m. Der zweigeschossige Wohnbau nimmt den Nordflügel mit sechs, den Ostflügel mit drei und den Westflügel mit zwei Achsen ein. Fenster- und Torgewände sind aus Haustein. Im Inneren ist die alte Raumeinteilung mit barocken Balkendecken und Türen erhalten.

An der Nordostseite tritt ein starker dreigeschossiger Vierkantturm vor mit gestufter Schweifhaube. Im leicht zurückspringenden, mit Flachgiebel bekrönten Mittelteil des Nordflügels ist eine Tordurchfahrt, über deren Rechteckrahmung ein Reliefstein mit Wappen derer " von Reuschenberg" und der Umschrift:

 

"GOTT ALLEIN DIE EHR 1602"

 

Im Südflügel befinden sich eingeschossige Wirtschaftsräume, an der Südwestecke dem großen Turm diagonal gegenüber ein kleinerer Viereckturm mit Schießscharten und achtseitig geschweifter Haube.